
Druckausgleich klappt nicht beim Tauchen – was tun auf Lanzarote?
Druckausgleich beim Tauchen klappt nicht? Was sofort unter Wasser zu tun ist, welche Techniken helfen, wann ein Barotrauma Arzt-Sache wird und wo man auf Lanzarote Hilfe findet.
Wer beim Tauchen den Druckausgleich nicht schafft und trotzdem weiter absteigt, riskiert ein Barotrauma – eine echte Verletzung im Mittelohr. Stopp und kontrollierter Aufstieg verhindern das meiste. Hier steht was zu tun ist, wenn es trotzdem passiert.
Wann sofort 112 – wann Arzt – wann Tauchpause
Sofort 112 oder Notaufnahme bei:
- Plötzlicher vollständiger Hörverlust unter Wasser oder unmittelbar nach dem Auftauchen
- Starker Drehschwindel, Übelkeit, Erbrechen nach dem Tauchen – kann inneres Ohrbarotrauma oder Dekompressionskrankheit sein
- Blutung aus dem Ohr oder der Nase nach dem Tauchgang
- Halbseitige Gesichtslähmung
Heute noch zum Arzt (EuroKlinik oder HNO) bei:
- Ohrdruck oder Ohrschmerzen die nach dem Auftauchen nicht nachlassen
- Neu aufgetretenem Tinnitus (Piepen, Rauschen) nach dem Tauchgang
- Vermindertem Hörvermögen nach dem Tauchen
- Gesichtsschmerzen über Stirn oder Wange (Nasennebenhöhlen-Barotrauma)
Wieder tauchen: Nein. Bei jedem Hinweis auf Barotrauma keine weiteren Tauchgänge bis ein Arzt grünes Licht gibt.
Was Druckausgleichsprobleme sind – medizinische Einordnung
Beim Abtauchen steigt der Wasserdruck. Das Mittelohr und die Nasennebenhöhlen sind Hohlräume die mit der Außenwelt verbunden sind – über die Eustachische Röhre (Ohr) und die Nasengänge. Wenn der Druckausgleich nicht gelingt, entsteht ein Druckunterschied: Das Trommelfell wird eingedrückt, Schleimhäute können reißen, im schlimmsten Fall perforiert das Trommelfell.
Mittelohr-Barotrauma ist die häufigste Tauchverletzung überhaupt. Es entsteht fast immer durch zu schnelles Absteigen ohne rechtzeitigen Ausgleich.
Nasennebenhöhlen-Barotrauma (Stirn- oder Kieferhöhle) erzeugt starken Gesichts- oder Stirnschmerz beim Abstieg – und ist ein eindeutiges Stopp-Signal.
Inneres Ohr-Barotrauma ist seltener aber schwerer: es entsteht bei zu starkem Pressen beim Ausgleichsversuch oder bei sehr raschem Druckanstieg. Es kann dauerhaften Hörverlust verursachen und erfordert sofortige ärztliche Beurteilung.
Lanzarote-spezifisch: Tauchen und Risikofaktoren
Lanzarote ist eines der begehrtesten Tauchziele im Atlantik. Populäre Tauchstellen:
Museo Atlántico (Playa Blanca) – 12–14 m Tiefe, Unterwasserskulpturen, viele Gelegenheitstaucher und Ersttauchgänge.
Playa Chica (Puerto del Carmen) – flacher Einstieg, verschiedene Tiefen, viele Tauchschulen ansässig.
El Golfo / Los Hervideros – Felshöhlen und Riffbereiche mit wechselnden Tiefen.
An diesen Spots tauchen viele Urlauber die selten oder zum ersten Mal tauchen – mit dem Flug ankommen, gut gefrühstückt, aber manchmal mit leichtem Schnupfen aus der Klimaanlage. Das ist ein unterschätzter Risikofaktor. Tauchschulen auf Lanzarote weisen darauf hin, der Hinweis wird aber oft ignoriert.
Tauchen mit Erkältung oder Schnupfen ist gefährlich. Geschwollene Schleimhäute verengen die Eustachische Röhre – Druckausgleich wird schwieriger oder unmöglich. Das gilt auch für leichte Congestion, nicht nur für schwere Erkältungen.
Sofortmaßnahmen
Unter Wasser:
-
Stopp sofort – nicht weiter absteigen wenn Druck oder Schmerz im Ohr entsteht.
-
Leicht aufsteigen (1–2 Meter) – der Druckunterschied wird kleiner, der Ausgleich einfacher.
-
Valsalva korrekt ausführen: Nase mit Daumen und Zeigefinger zuhalten, sanft in die zugehaltene Nase blasen bis ein Knacken im Ohr spürbar ist. Nicht zu fest pressen – zu starker Druck kann inneres Ohrbarotrauma auslösen.
-
Frenzel-Technik (für erfahrene Taucher): Kehlkopf schließen (Schluck-Bewegung), Wangen leicht aufblasen ohne Luft aus der Lunge zu nutzen – schonender als Valsalva.
-
Wenn Ausgleich nicht gelingt: Tauchgang abbrechen. Divemaster informieren, ruhig und kontrolliert aufsteigen.
Nach dem Tauchgang:
- Aus dem Wasser, hinsetzen, Symptome beobachten.
- Klingt Druck oder leichter Ohrschmerz innerhalb von 30–60 Minuten ab → trotzdem Tauchpause für diesen Tag.
- Klingt es nicht ab oder kommen neue Symptome (Tinnitus, Hörverlust) → Arzt heute.
- Nicht fliegen mit unbeurteiltem Barotrauma – Druckveränderung im Flugzeug kann ein verletztes Ohr weiter schädigen.
Was NICHT tun
Nicht weitertauchen trotz Ohrschmerzen oder anhaltendem Druck – das kann aus einem Mittelohr-Barotrauma ein perforiertes Trommelfell machen.
Nicht zu fest pressen beim Valsalva – das ist eine bekannte Ursache für inneres Ohrbarotrauma.
Nicht mit Schnupfen tauchen. Abschwellende Nasensprays lösen das Problem nicht zuverlässig – sie halten oft nicht für den ganzen Tauchgang und lassen dann nach. Wer Fragen zu abschwellenden Sprays hat: Apothekerin fragen, aber kein Spray ersetzt freie Atemwege.
Nicht am nächsten Tag sofort wieder tauchen – ein Barotrauma braucht Heilungszeit. Wie lange, entscheidet der Arzt.
Nicht mit Ohrschmerzen fliegen – Arzt aufsuchen bevor man in den Flieger steigt.
Wann zum Arzt auf Lanzarote
- Ohrschmerzen oder Druck nach dem Tauchen die nicht nachlassen → Arzt heute
- Neuer Tinnitus oder Hörverlust → Arzt heute
- Blutung aus Ohr oder Nase → sofort Molina Orosa
- Starker Schwindel nach Auftauchen → 112 (Dekompressionskrankheit ausschließen)
Welcher Arzt auf Lanzarote
EuroKlinik – deutschsprachig, Erstbeurteilung Barotrauma, Arztbrief für Tauchpause
+34 669 064 145 · Mo–Fr 9–20 Uhr, Sa 10–14 Uhr
Hospital Dr. José Molina Orosa – 24h-Notaufnahme, für schwere Symptome oder Verdacht auf Dekompressionskrankheit
+34 928 595 000 · EHIC gilt für GKV-Versicherte
Alle Ärzte und Kliniken auf Lanzarote →
Was kostet die Behandlung
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Ohruntersuchung / HNO-Konsultation | 80–150 € |
| Hörtest (Audiometrie) | 50–100 € |
| Behandlung Mittelohr-Barotrauma | 80–200 € |
AKV übernimmt in der Regel akute Tauchverletzungen – Schadennummer vor der Behandlung holen.
FAQ
Darf ich mit einer leichten Erkältung tauchen?
Nein. Geschwollene Schleimhäute machen den Druckausgleich schwieriger oder unmöglich. Wer trotzdem taucht, riskiert Barotrauma bereits bei geringen Tiefen. Tauchpause bis die Erkältung vollständig abgeklungen ist.
Was ist der Unterschied zwischen Valsalva und Frenzel?
Valsalva: Nase zu, sanft blasen – nutzt Lungenluft, kann bei zu starkem Druck gefährlich werden. Frenzel: Kehlkopf schließen, Zunge/Kiefer bewegen – schonender, von erfahrenen Tauchern bevorzugt. Tauchkurse auf Lanzarote vermitteln beide Techniken; Üben lohnt sich vor dem ersten Tauchurlaub.
Wann darf ich nach einem Barotrauma wieder tauchen?
Das entscheidet der Arzt nach Befund. Bei einfachem Mittelohr-Barotrauma ohne Perforation: oft 1–2 Wochen. Bei Trommelfell-Perforation: mehrere Wochen bis zur vollständigen Heilung. Kein Selbsttest mit einem Testtauchgang.
Können auch die Zähne beim Tauchen wehtun?
Ja – Barodontalgie (Zahnbarotrauma) entsteht wenn Lufteinschlüsse unter Füllungen oder bei Karies unter Druckveränderung Schmerzen auslösen. Vor einem Tauchurlaub ein Zahnarzt-Check ist sinnvoll.
Können Kinder Druckausgleichsprobleme bekommen?
Ja. Die Eustachische Röhre ist bei Kindern anatomisch anders aufgebaut, Druckausgleich fällt schwerer. PADI und SSI setzen das Mindestalter für Gerätetauchen auf 10 Jahre; Tauchschulen auf Lanzarote bieten flache Übungen (Bubblemaker ab 8 Jahren) ohne Tiefenabstieg an.
Wann nach Barotrauma nicht fliegen?
Frühestens nach ärztlicher Freigabe. Bei Trommelfell-Verletzungen: erst nach vollständiger Abheilung. Kabinendruck im Flugzeug entspricht ca. 1.800–2.400 m Höhe – das ist ein zusätzlicher Druckstress für ein verletztes Ohr.
Verwandte Artikel: Ohrenschmerzen nach dem Tauchen auf Lanzarote · Dekompressionskrankheit auf Lanzarote · Arzt-Verzeichnis für Lanzarote