
Dekompressionskrankheit auf Lanzarote – Symptome, Druckkammer, Notruf
Dekompressionskrankheit auf Lanzarote: erste Symptome erkennen, richtiges Vorgehen im Notfall, wo die nächste Druckkammer ist und welche Versicherung zahlt.
Lanzarote gehört zu den besten Tauchrevieren Europas – El Golfo, Papagayo, La Santa, die Küste vor Puerto del Carmen. Mit dem Tauchboom kommen auch Tauchunfälle. Die Dekompressionskrankheit (DCS, umgangssprachlich „Taucherkrankheit“) ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Wer die Symptome kennt und weiß, was zu tun ist, kann Leben retten.
Wann ist es ein Notfall?
Sofort 112 anrufen und parallel DAN Europe (Divers Alert Network) +39 06 4211 5685 (24h, mehrsprachig) bei:
- Lähmungen oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen nach dem Tauchen
- Starke Rücken- oder Rückenmarksschmerzen
- Sehstörungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit
- Atemnot (Chokes)
- Bewusstlosigkeit
- Jegliche neurologischen Symptome nach dem Tauchen
Bei DCS Typ 1 (Gelenkschmerzen, Hautmarmorierung, Kribbeln) ohne neurologische Symptome: ebenfalls sofort ärztlich abklären lassen – Typ 1 kann rasch zu Typ 2 eskalieren.
Was ist Dekompressionskrankheit?
Beim Tauchen atmet man unter erhöhtem Umgebungsdruck. Stickstoff löst sich dabei im Blut und in den Geweben. Taucht man zu schnell auf, kann der Druck so rasch fallen, dass der gelöste Stickstoff Gasblasen bildet – ähnlich wie eine geöffnete Sprudelflasche. Diese Blasen blockieren Blutgefäße und schädigen Gewebe und Nerven.
DCS Typ 1 – Haut und Gelenke:
- Gelenkschmerzen (häufig Schultern, Ellenbogen, Knie)
- Kribbeln oder Juckreiz der Haut
- Marmorierung der Haut (livide Flecken)
DCS Typ 2 – Nervensystem, Lunge, Gehirn:
- Rückenmarksymptome: Lähmung, Taubheit, Harnverhalt
- Hirnbeteiligung: Sehstörungen, Schwindel, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit
- Lungenform (Chokes): Atemnot, Husten, Brustschmerz
Barotrauma ist eine verwandte, aber andere Verletzung: Druckschäden in Hohlräumen wie Ohren, Nasennebenhöhlen oder Lunge. Kein DCS, aber ebenfalls ein Notfall der ärztlicher Abklärung bedarf.
DCS-Risiko auf Lanzarote
Mehrfachtauchgänge im Urlaubsrhythmus: Viele Lanzarote-Urlauber buchen zwei Tauchgänge täglich. Mehrfachtauchgänge erhöhen die kumulative Stickstoffbelastung erheblich, besonders bei kurzen Oberflächenpausen.
Anfängertauchen ohne ausreichendes Briefing: Manche Tauchcenter bieten Discovery Dives für Einsteiger an. Wer nicht weiß, wie man korrekt auftaucht, überspringt Sicherheitsstopps.
Fliegen am letzten Urlaubstag: Häufiges Muster: Tauchgang am Morgen des Abreisetags, Flug am Nachmittag. Der reduzierte Kabinendruck im Flugzeug (entspricht ca. 2.000 m Höhe) kann latente DCS auslösen oder eine bestehende massiv verschlimmern.
Keine Druckkammer auf Lanzarote: Das ist die kritische Information. Auf Lanzarote gibt es keine Druckkammer für Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO). Das Hospital Dr. José Molina Orosa kann Erstversorgung und 100% Sauerstoff leisten, aber keine HBO-Behandlung. Die nächste Druckkammer befindet sich auf Gran Canaria (Las Palmas) – erreichbar per Hubschrauber in ca. 45–60 Minuten.
Sofortmaßnahmen bis der Rettungsdienst kommt
- 112 anrufen – sofort
- DAN Europe anrufen: +39 06 4211 5685 – rund um die Uhr auf Deutsch, koordiniert Verlegung und berät Ärzte vor Ort telefonisch
- 100% Sauerstoff – wenn an der Tauchbasis ein Notfall-O₂-Kit vorhanden ist: sofort aufsetzen; Sauerstoff löst Stickstoffblasen schneller auf und ist die wichtigste Erstmaßnahme
- Liegendlagerung – Person nicht aufrecht setzen oder gehen lassen
- Hydration – bei Bewusstsein Wasser in kleinen Schlucken; kein Alkohol
- Kein erneutes Abtauchen – auch nicht als „Notfallabtauchen“; das ist ein gefährlicher Mythos
- Tauchcomputer und Logbuch sicherstellen – für die behandelnden Ärzte wichtige Informationen über Tiefe, Dauer und Auftauchprofil
Was man nicht tun sollte
Erneutes Abtauchen zur Behandlung – dieser Mythos kursiert unter Tauchern. Er ist lebensgefährlich: unkontrollierte Bedingungen, kein medizinisches Personal, falsche Druckprofile, erhöhtes Ertrinkungsrisiko. Hyperbare Behandlung findet ausschließlich in medizinischen Druckkammern statt.
Warten ob es von selbst besser wird. DCS Typ 2 kann innerhalb von Stunden zu dauerhafter Lähmung führen. Wenn Symptome da sind, gibt es kein Abwarten.
Alkohol nach dem Tauchen. Alkohol erweitert Blutgefäße und verstärkt manche DCS-Symptome; außerdem erschwert er die Diagnose.
Aspirin ohne Arztanweisung. In manchen medizinischen DCS-Protokollen wird Aspirin eingesetzt – aber nur auf ärztliche Anweisung, nicht auf eigene Initiative.
Wann zum Arzt?
Sofort 112 bei allen DCS-Typ-2-Symptomen.
Auch bei Typ-1-Symptomen: Gelenkschmerzen nach dem Tauchen die länger als 30 Minuten anhalten, Hautmarmorierung, Kribbeln – sofort ärztlich abklären lassen. Typ 1 kann zu Typ 2 eskalieren; kein Abwarten.
Wo behandeln?
- Hospital Dr. José Molina Orosa · Carretera Arrecife-Tinajo km 1,300 · +34 928 595 000 · 24h Notaufnahme · Erstversorgung, 100% O₂, Stabilisierung · EHIC gilt · Keine Druckkammer vor Ort
- DAN Europe (Koordination & Notfallberatung): +39 06 4211 5685 – koordiniert Hubschrauber-Verlegung zur Druckkammer, berät behandelnde Ärzte vor Ort, hilft bei Versicherungsabwicklung
- Hospital Universitario Insular de Gran Canaria, Las Palmas: nächste Druckkammer (HBO), Hubschrauber ca. 45–60 Minuten ab Lanzarote
Was kostet die Behandlung?
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Notaufnahme Hospital Molina Orosa (mit EHIC) | kostenfrei / geringe Eigenbeteiligung |
| Hubschrauber-Medevac nach Gran Canaria (privat) | 3.000–8.000 € |
| HBO-Sitzung Las Palmas (privat, oft mehrere nötig) | 500–1.500 € pro Sitzung |
| Stationäre Behandlung + Rehabilitation | erheblich, je nach Schweregrad |
DAN-Tauchversicherung: Die wichtigste Versicherung für Taucher. DAN Europe Mitgliedschaft inkl. Unfallversicherung ab ca. 60–90 €/Jahr – deckt weltweite HBO, Medevac und stationäre Behandlung. Ohne Versicherung entstehen schnell fünfstellige Kosten.
Achtung: Viele Standard-Auslandskrankenversicherungen schließen Sporttauchen explizit aus. Auslandskrankenversicherung vor der Reise auf Tauchen-Einschluss prüfen.
FAQ
Gibt es eine Druckkammer auf Lanzarote?
Nein. Auf Lanzarote gibt es keine Druckkammer für Hyperbare Sauerstofftherapie. Das Hospital Dr. José Molina Orosa kann Erstversorgung und 100% Sauerstoff leisten, aber keine HBO-Behandlung. Die nächste Druckkammer befindet sich auf Gran Canaria in Las Palmas. Im Notfall erfolgt die Verlegung per Hubschrauber – koordiniert durch 112 und DAN Europe (+39 06 4211 5685).
Was sind die ersten Anzeichen einer Dekompressionskrankheit nach dem Tauchen?
Symptome beginnen meist innerhalb von 1–6 Stunden nach dem Auftauchen, manchmal erst nach bis zu 24 Stunden. Frühe Zeichen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Fingern, Zehen oder Gliedmaßen; Gelenkschmerzen in Schulter, Ellenbogen oder Knie; Juckreiz oder marmorierte Haut; ungewöhnliche Erschöpfung oder Schwindel. Jedes dieser Symptome nach einem Tauchgang ernst nehmen und sofort ärztlich abklären lassen.
Was tun wenn Symptome erst Stunden nach dem Tauchgang auftreten?
Trotzdem sofort ärztlich abklären lassen – je früher die HBO-Behandlung beginnt, desto besser die Prognose. DAN Europe (+39 06 4211 5685) anrufen, auch wenn es „nur“ Kribbeln oder leichte Gelenkschmerzen sind. Zeitpunkt des letzten Tauchgangs, Tiefe, Dauer und Auftauchprofil mitteilen. Keinesfalls noch einmal tauchen.
Wie lange nach dem Tauchen darf ich nicht fliegen?
Nach einem Einzeltauchgang: mindestens 12 Stunden warten (Empfehlung DAN und PADI). Nach mehreren Tauchgängen an einem Tag oder an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen: mindestens 18–24 Stunden. Nach einer behandelten DCS: mindestens 72 Stunden, besser nach Rücksprache mit DAN oder einem Tauchmediziner. Der Kabinendruck im Flugzeug entspricht ca. 2.000 m Höhe – das ermöglicht weiteres Ausgasen von Stickstoff.
Welche Versicherung deckt Dekompressionskrankheit auf Lanzarote ab?
Die zuverlässigste Lösung: DAN Europe Membership mit Unfallversicherung – weltweit inklusive HBO, Medevac und Rehabilitation. Normale Auslandskrankenversicherungen decken Tauchen oft nur mit Sportzusatz oder gar nicht. Vor der Reise direkt nachfragen: „Ist Sporttauchen mitversichert?“ und „Ist hyperbare Sauerstofftherapie eingeschlossen?“
Ist erneutes Abtauchen eine Behandlungsmethode für DCS?
Nein – ausdrücklich nicht. Dieser Mythos ist gefährlich: unkontrolliertes Abtauchen ohne medizinisches Personal, ohne korrekte Sauerstoffversorgung und ohne definierten Druckplan verschlimmert die Situation und gefährdet zusätzlich Helfer. Die einzig wirksame Behandlung ist hyperbare Sauerstofftherapie in einer medizinischen Druckkammer unter ärztlicher Aufsicht.
Wie erreiche ich DAN Europe vom Handy auf Lanzarote?
Internationale Nummer direkt wählen: +39 06 4211 5685 – normale internationale Verbindung von einem spanischen oder deutschen Mobilnetz aus. Die Hotline ist 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche erreichbar und mehrsprachig besetzt, auch auf Deutsch. Diese Nummer vor dem ersten Tauchgang ins Handy einspeichern – zusammen mit 112.
Kann man nach einer Dekompressionskrankheit wieder tauchen?
Ja, in vielen Fällen – aber nur nach vollständiger Erholung und nach tauchermedizinischer Freigabe durch einen Arzt. Nach leichter DCS Typ 1 vollständig behandelt: Rückkehr nach Wochen bis Monaten möglich. Bei neurologischer Beteiligung (DCS Typ 2): individuelle Einschätzung zwingend notwendig, manchmal bleibende Einschränkungen. Eigenbeurteilung ist keine Option – tauchermedizinisches Freigabeattest erforderlich.
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