Lanzarote auf eigene Faust – warum die Insel so gut dafür geeignet ist
Lanzarote ist eine der wenigen Kanarischen Inseln, die man wirklich auf eigene Faust entdecken sollte. Sie ist überschaubar genug, um in einer Woche die wichtigsten Highlights zu sehen – und gleichzeitig vielfältig genug, um selbst Wiederkehrer jedes Mal neu zu überraschen. Wer mit Mietwagen, ohne festes Programm und mit offenen Augen durch die Insel fährt, erlebt etwas grundlegend anderes als der Pauschaltourist, der im Hotelpool bleibt.
Das gilt genauso für Kreuzfahrtpassagiere, die Arrecife anlaufen und oft nur sechs bis acht Stunden haben: Mit der richtigen Planung lässt sich in dieser Zeit erstaunlich viel sehen – Timanfaya, ein Strand, vielleicht ein Blick auf César Manriques Werk. Der Schlüssel ist, keine Zeit mit Orientierung zu verlieren, sondern mit einer klaren Route loszufahren.
Die Freiheit des Reisens ohne gebuchte Tour
Pauschaltouren auf Lanzarote folgen immer denselben Routen: Timanfaya Bus, Kameltrekking-Foto, Rückkehr ins Hotel. Das hat seinen Wert – aber es zeigt nicht die echte Insel. Auf eigene Faust bedeutet: früh morgens allein am Strand von Papagayo stehen bevor die Touristenboote ankommen. Den Nationalpark im eigenen Tempo erkunden. In einem kleinen Familien-Restaurant in Yaiza essen, das in keinem Reiseführer steht. Abends auf einer Finca im Weinbaugebiet La Geria die Stille genießen.
Planung deiner Reise nach Lanzarote
Die beste Reisezeit für Lanzarote
Lanzarote hat ein außergewöhnliches Klima – milde Temperaturen das ganze Jahr über, kaum Regen, immer Sonne. Das bedeutet: Es gibt keine schlechte Reisezeit, aber deutliche Unterschiede in der Reiseerfahrung. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über die beste Reisezeit für Lanzarote.
Frühling (März–Mai): Perfekt für Aktivurlauber. Temperaturen um 20–24 °C, wenig Wind, grüne Landschaft nach den Winterregen. Wandern und Radfahren sind angenehm.
Sommer (Juni–September): Heiß, aber durch den Passatwind erträglich. UV-Strahlung besonders hoch – Sonnenschutz LSF 50+ ist Pflicht. Hohe Touristendichte, besonders in Juli und August.
Herbst (Oktober–November): Wärmer als zu Hause, Meer noch sommerlich warm, weniger Touristen als im Sommer. Ideal für einen entspannten Inselurlaub.
Winter (Dezember–Februar): 17–20 °C, manchmal bewölkt und gelegentlich Regen. Für Kitesurf-Fans und Aktivurlauber perfekt – die Winde sind stark und beständig. Für Strandurlaub weniger geeignet.
Unterkunftsmöglichkeiten auf eigene Faust
Wer nicht ans Hotel gebunden ist, hat auf Lanzarote viele gute Optionen. Ferienwohnungen und Fincas im Landesinneren – besonders im Weinbaugebiet La Geria und rund um Yaiza – bieten authentisches Lanzarote-Feeling weit weg vom Strandtrubel. Apartmentkomplexe in Puerto del Carmen, Costa Teguise und Playa Blanca bieten die beste Infrastruktur und sind gut für Selbstfahrer: Supermärkte, Restaurants, Apotheken alles fußläufig.
Für Aktivurlauber und Kitesurfer lohnt sich Costa Teguise oder die Gegend um Famara – direkter Zugang zu den Windspots.
Transport auf der Insel
Mietwagen ist die absolute Empfehlung für alle, die Lanzarote auf eigene Faust erkunden wollen. Die Insel hat kein dichtes ÖPNV-Netz außerhalb der Hauptorte, und viele Sehenswürdigkeiten (Timanfaya, Jameos del Agua, Playa de Papagayo) sind ohne Auto schwer erreichbar. Mietwagen sind auf Lanzarote günstig – kleine Klassen ab 20–30 Euro pro Tag. Internationaler Führerschein wird nicht benötigt (EU-Führerschein reicht).
Für Kreuzfahrtpassagiere: Direkt am Hafen in Arrecife gibt es Mietwagengesellschaften. Wer frühzeitig bucht, bekommt auch kurzfristig ein Auto für einen Tag. Alternativ: organisierte Kleingruppentour oder Taxi für die wichtigsten Highlights.
E-Bikes und Fahrräder sind in Costa Teguise und Puerto del Carmen zu leihen – ideal für küstennahe Erkundungen und kühlere Tage.
Top Sehenswürdigkeiten auf Lanzarote auf eigene Faust
Nationalpark Timanfaya – die Feuerberge
Der Timanfaya-Nationalpark ist das spektakulärste Ziel auf Lanzarote und darf auf keiner Eigenfahrt fehlen. Die Lavalandschaft entstand durch die Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736 – über sechs Jahre ergoss sich Lava über ein Drittel der Insel. Das Ergebnis ist eine Mondlandschaft, die seit Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren hat.
Wichtig für Selbstfahrer: Den Nationalpark kann man nicht auf eigene Faust mit dem Auto durchfahren – das Innere ist nur per offiziellem Busrundkurs zugänglich, der vom Parkeingang abfährt (ca. 12 Euro pro Person). An der Eingangsstation gibt es außerdem die bekannte Geothermal-Show: Wasser wird in eine Röhre im Boden gegossen und schießt als Dampfgeysir in die Höhe – die Erde unter dem Park hat noch Temperaturen von über 400 °C in wenigen Metern Tiefe.
Rund um den Park auf eigene Faust erkunden: die Ruta de los Volcanes ist ein Wanderweg entlang des Kraterrands und bietet spektakuläre Ausblicke. Frühmorgens starten – vor 9 Uhr ist man oft allein. Mehr zum Wandern auf Lanzarote findest du in unserem Wanderartikel.
César Manrique – Kunst und Architektur als Inselidentität
César Manrique ist der Künstler und Architekt, dem Lanzarote sein einzigartiges Erscheinungsbild verdankt. Er hat in den 1960er und 70er Jahren fast alle öffentlichen Bauprojekte auf der Insel geprägt und gleichzeitig Hotelhochhäuser und Reklameflächen verhindert – auf Lanzarote gibt es bis heute keine Werbetafeln auf der Straße und kaum Gebäude, die über die Palmen hinausragen.
Seine wichtigsten Werke für Selbstfahrer: Jameos del Agua (natürlicher Lavatunnel mit unterirdischem See, Kunstgalerie und Konzerthalle), Mirador del Río (Aussichtsplattform im Norden mit Blick auf La Graciosa), Cactus Garden (Jardín de Cactus) in Guatiza und das Fundación César Manrique (sein ehemaliges Wohnhaus in Tahíche, gebaut in fünf unterirdischen Lavablasen).
Alle Manrique-Sehenswürdigkeiten lassen sich in einem Tag kombinierten. Ticketkombis gibt es direkt an den Eingängen oder online.
Die Strände von Lanzarote
Lanzarote hat überraschend vielfältige Strände – von langen Sandstränden mit Infrastruktur bis zu wilden Lavabuchten ohne Touristen.
Playa de Papagayo im Süden: die schönsten Buchten der Insel, türkisblaues Wasser, Naturschutzgebiet. Mit dem Auto erreichbar (kleines Eintrittsgebühr für den Parkbereich). Früh morgens fahren – bis 10 Uhr hat man die Buchten fast für sich.
Playa Grande / Playa de los Pocillos in Puerto del Carmen: langer Sandstrand mit allem drum herum – Sunlounger-Verleih, Restaurants, Wassersport. Ideal für Familien.
Playa de Famara im Norden: langer wilder Atlantikstrand, starker Wind, perfekt für Kitesurf-Zuschauer und Einsamkeitssucher. Schwimmen wegen der Strömung vorsichtig.
Charco del Palo und Caleta de Caballo: kleine Buchten ohne Touristeninfrastruktur – ideal für alle, die echte Ruhe suchen.
Aktivitäten auf Lanzarote auf eigene Faust
Wandern und Radfahren
Das Wandern auf Lanzarote ist eine der besten Möglichkeiten, die Insel zu erleben – abseits der Touristenströme, in einer Landschaft, die es nirgendwo sonst gibt. Die Ruta de los Volcanes im Timanfaya, der Küstenpfad von El Golfo nach Playa Blanca, der Aufstieg zur Caldera Blanca oder die Wanderwege im Norden rund um Haría und das Famara-Massiv bieten für jeden Schwierigkeitsgrad etwas.
Für Radfahrer: Costa Teguise ist das Zentrum des Radsports auf Lanzarote – flache Küstenrouten für Genussradler, anspruchsvolle Hügelrouten ins Landesinnere für Sportliche. Im März findet der Ironman Lanzarote statt – einer der härtesten Triathlons der Welt.
Hinweis zur Gesundheit: Bei Aktivitäten in der Sonne unbedingt Sonnenschutz und ausreichend Wasser dabei haben. Mehr zu Sonnenstich auf Lanzarote und der Reiseapotheke haben wir in separaten Artikeln.
Wassersportarten
Lanzarote ist eine der besten Adressen für Wassersport in Europa. Kitesurfen – besonders in Costa Teguise und Famara, die Winde sind zuverlässig und stark. Windsurfen – ähnliche Spots, Schulen direkt am Strand. Tauchen – kristallklares Wasser, Lavaformationen unter Wasser, Wracks. Divezentren gibt es in Puerto del Carmen und Playa Blanca. Surfen – Famara hat Wellen für Anfänger und Fortgeschrittene, Schulen direkt vor Ort.
Für Familien: Schnorcheln in den ruhigen Buchten von Papagayo und den Lavapools rund um El Golfo ist ohne besondere Vorkenntnisse möglich.
Regionale Märkte und kulinarisches Lanzarote
Teguise Markt – jeden Sonntag in der historischen Inselhauptstadt Teguise. Der größte Markt der Insel mit Kunsthandwerk, lokalen Produkten und einer lebendigen Atmosphäre. Früh kommen – bis 10 Uhr ist er am schönsten, danach wird es voll.
La Geria – das Weinbaugebiet im Inselinneren ist eines der faszinierendsten auf der Welt: Jeder Rebstock steht in einem kleinen Krater aus Lava, geschützt vor dem Wind durch Steinwände. Die Böden sind mit Picón (vulkanischer Asche) bedeckt, der die Feuchtigkeit hält. Bodegas wie El Grifo (älteste Bodega der Kanaren) und La Geria bieten Verkostungen an.
Mehr über die lokale Küche und Restaurants findest du in unserem Restaurantartikel.
Lanzarote auf eigene Faust als Kreuzfahrtgast
Arrecife ist ein häufiger Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe – besonders bei Atlantiküberquerungen und Kanaren-Rundreisen. Kreuzfahrtpassagiere haben typischerweise 6 bis 9 Stunden in Arrecife und müssen das Beste daraus machen.
Route für Kreuzfahrtgäste (ganzer Tag): Mietwagen direkt am Hafen mieten, direkt nach Timanfaya fahren (ca. 45 Minuten), den Busrundkurs (ca. 60 Minuten) machen, dann weiter nach La Geria für eine kurze Weinverkostung, zurück über El Golfo (grüne Lagune, spektakulär), Mittagessen in Yaiza, nachmittags Playa de Papagayo für eine Stunde Strand, zurück nach Arrecife.
Route für Kreuzfahrtgäste (halber Tag): Direktfahrt Timanfaya (Busrundkurs), kurzer Stopp El Golfo, zurück nach Arrecife – Strandpromenade und Einkaufen in der Altstadt.
Wichtiger Hinweis: Informiert euch vorher, wann das Schiff ablegt. Rund um Timanfaya gibt es keine verlässliche Netzabdeckung und manchmal Staus. Mindestens 90 Minuten Puffer vor Abfahrtszeit einplanen.
Tipps für deinen Aufenthalt auf eigene Faust
Wichtige Hinweise für Selbstfahrer
Auf Lanzarote wird rechts gefahren (wie in ganz Spanien). Die Straßen sind gut ausgebaut, Beschilderung auf Spanisch. GPS oder Google Maps funktionieren gut. Parkplätze an Touristenzielen können voll sein – frühzeitig starten lohnt sich.
Benzin ist auf Lanzarote günstiger als in Deutschland. Tankstellen gibt es in allen größeren Orten. Im Nationalpark und in abgelegenen Gebieten gibt es keine Tankstellen – vorher volltanken.
Die Geschwindigkeitsbegrenzungen in Spanien: 50 km/h innerorts, 90 km/h auf Landstraßen, 120 km/h auf Autobahn (auf Lanzarote gibt es keine echte Autobahn, aber gut ausgebaute Schnellstraßen). Radarkontrollen gibt es.
Packliste für Lanzarote auf eigene Faust
Über die Reiseapotheke haben wir separat geschrieben – hier die ergänzende Packliste für Selbstfahrer:
Sonnencreme LSF 50+ (mehr als du denkst), Kopfbedeckung und Sonnenbrille, leichte Wanderschuhe (kein Sandalen auf Lavastein), Windjacke (Passatwind kann überraschend kühl sein), Wasserflasche (mindestens 1,5 Liter pro Person pro Tag), Reiseführer oder Offline-Karte (in Timanfaya kein Netz), Bargeld (kleinere Restaurants und Märkte nehmen oft nur Bargeld).
Lokale Bräuche und Verhaltensregeln
Im Nationalpark: Wege nicht verlassen, keine Steine mitnehmen. Das ist in Spanien verboten und wird mit empfindlichen Bußgeldern belegt. Der schwarze Lavasand an manchen Stränden sieht verlockend aus – aber auch er bleibt auf der Insel.
Beim Essen: Mittagessen wird in Spanien später gegessen (13:30 bis 15:30 Uhr). Wer um 12 Uhr ins Restaurant will, findet oft noch geschlossene Küchen. Das Trinkgeld ist freiwillig, aber in Restaurants mit Service üblich: 5–10 % als Zeichen der Wertschätzung.
Sonntags: Anders als auf dem spanischen Festland haben auf Lanzarote die meisten Supermärkte (Aldi, Lidl, Mercadona) auch sonntags geöffnet, oft bis 21 oder 22 Uhr. Apotheken haben ein Bereitschaftssystem – an jeder Apothekentür steht, welche Farmacia gerade Dienst hat.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
Lanzarote auf eigene Faust ist eine der besten Reiseentscheidungen, die man für die Kanaren treffen kann. Mietwagen buchen, früh starten, Touristenzeiten meiden – dann hat man Timanfaya, Papagayo und La Geria fast für sich allein.
Kreuzfahrtgäste schaffen mit einem Mietwagen für den Tag die Highlights: Timanfaya, El Golfo und einen kurzen Strandstop in Papagayo. 90 Minuten Puffer vor Schiffsabfahrt immer einplanen.
Gesundheitlich gut vorbereitet zu sein ist auf Lanzarote wichtig: Sonnenschutz, Reiseapotheke und die Nummern der wichtigsten Kliniken griffbereit. Alle Ärzte, Apotheken und Notaufnahmen auf Lanzarote findest du in unserem medizinischen Verzeichnis.
