Lanzarote hat keine Bäume. Nicht als poetische Übertreibung — die Insel ist von Lava überzogen, von Passatwind geprägt, und bietet an fast allen ihrer 15 wichtigsten Sehenswürdigkeiten keinen natürlichen Schatten. Wer das weiß, erlebt die außergewöhnlichsten Orte Europas entspannt. Wer es nicht weiß, sitzt um 13 Uhr auf dem Parkplatz von Timanfaya mit einem Sonnenstich. Dieser Artikel zeigt die 15 besten Orte der Insel — und was man an jedem davon konkret beachten sollte.
Vulkan & Natur: Drei Orte, die man nirgendwo sonst sieht
1. Timanfaya Nationalpark — Die Ruta de los Volcanes führt per Pflichtbus durch 300 Vulkankrater. An der Besucherstation schießt Wasser durch einen Metallrohrstutzen als heißer Dampf zurück: Die Erde ist hier noch warm. Eintritt ca. 14 € Erwachsene, Kinder frei bis 12 Jahre. Kein Verlassen der Wege, kein Einzelzutritt — nur Busrundfahrt. Früh buchen, Karten sind limitiert. Mehr im Timanfaya-Artikel.
2. El Golfo / Charco de los Clicos — Ein erloschener Vulkankrater, halb vom Atlantik gefüllt: das Wasser ist durch Mineralien leuchtend grün, der umgebende Lava-Ring schwarz. Freier Eintritt, kurzer Fußweg vom Parkplatz (ca. 10 Minuten). Kein Schwimmen — das Wasser ist stehend und steril.
3. Los Hervideros — Lavahöhlen an der Westküste: Der Atlantik dringt durch Kanäle im Stein, bei Wellengang steigt Gischt durch Öffnungen im Boden. Kostenlos, gepflasterter Weg, aber ungesicherter Rand — Kinder nicht ohne Begleitung nahe am Abbruch.
Gesundheitstipp: Timanfaya und Los Hervideros liegen vollständig in der Sonne. Kein einziger Baum. Früh morgens (Öffnung ab 9 Uhr) oder nach 16 Uhr besuchen. Wasser min. 1,5 L/Person, Sonnenhut, LSF 50. Bei Schwindel oder starker Rötung: klimatisierten Bus oder das Besucherzentrum aufsuchen. → Hitzschlag auf Lanzarote
Lavahöhlen: Cueva de los Verdes und Jameos del Agua
Beide Orte sind Teil desselben Lavaschlauchs — einem 1,5 km langen unterirdischen Röhrensystem, das vor 3.000 Jahren entstand.
4. Cueva de los Verdes — Geführte Tour durch die Lavahöhle mit Lichtinstallation. Konstant 19 °C. Dauer ca. 50 Minuten, Gruppen auf Stundenbasis. Eintritt ca. 12 €.
5. Jameos del Agua — Am Ende desselben Tunnels öffnet sich eine Lagune mit blinden Albino-Krebsen (Munida iris), nur hier auf der Welt. César Manrique verwandelte die Höhle in ein Gesamtkunstwerk: Konzertarena, Schwimmbecken, terrassierter Garten. Abends besonders stimmungsvoll. Eintritt ca. 12 €. Mehr Details im Jameos-Artikel.
CACT-Kombi-Ticket: Jameos del Agua, Cueva de los Verdes, Mirador del Río, Jardín de Cactus und Fundación César Manrique sind alle Standorte des CACT (Centros de Arte, Cultura y Turismo). Ein Kombi-Ticket für alle fünf ist günstiger als Einzelkauf — direkt an den Kassen oder online auf lanzaroteartist.com erhältlich.
Gesundheitstipp: Vom Außenbereich (35 °C+) in die Höhle (19 °C) ist ein abrupter Temperatursturz. Eine dünne Jacke mitnehmen — vor allem für Kinder und ältere Besucher. Beide Attraktionen haben Stufen; keine Rollstuhlzugänglichkeit.
César Manrique: fünf Orte, ein Geist
Der kanarische Künstler und Architekt César Manrique hat Lanzarote so geprägt wie kaum eine andere Person. Fünf seiner Hauptwerke verteilen sich über die Insel. Mehr Hintergrund im Manrique-Artikel.
6. Mirador del Río — In eine Klippe im äußersten Norden gesprengt: ein gläsernes Aussichtsgebäude auf 470 m Höhe mit Blick auf die Insel La Graciosa und die Meerenge El Río. Eintritt ca. 5 €. Starker Nordpassat, besonders bei Erkältung oder Ohrbeschwerden: Ohren schützen.
7. Jardín de Cactus — Über 1.400 Kakteenarten in einem restaurierten Vulkankrater, überragt von einer restaurierten Windmühle. Eintritt ca. 7 €. Offene Anlage, kein Schatten — Mittagsbesuch meiden.
8. Fundación César Manrique (Tahiche) — Manriques Wohnhaus auf fünf unterirdischen Lavablasen, heute Museum. Südlich von Arrecife. Eintritt ca. 11 €.
Strände & Naturpiscinen: die drei besten
9. Playa de Papagayo — Mehrere wilde Buchten südlich von Playa Blanca, türkises Wasser, weißer Sand, kein Hoteltourismus. Mautstraße (ca. 3 € pro Fahrzeug). Mietwagen oder Shuttle nötig — kein Linienbus. Für Schnorcheln gut geeignet: Schnorcheln auf Lanzarote.
10. Playa de Famara — Fünf Kilometer wilder Strand an der Nordwestküste, unter den Klippen des Risco de Famara. Surfer- und Kitesurfermekka. Starke Unterströmungen — für Schwimmer nicht geeignet. Mehr unter Surfen auf Lanzarote und Strände auf Lanzarote.
11. Arrieta & Naturpiscinen — Natürliche Lavabecken an der Nordostküste: ruhiges Wasser, ideal zum Schnorcheln, beliebtes Ausflugsziel für Familien. Kein Eintritt.
Gesundheitstipp: Famara: trotz scheinbarer Ruhe an der Wasseroberfläche bestehen starke Unterströmungen — nicht in den Atlantik hier. Arrieta-Naturpiscinen: Lavasteinkante beim Einstieg ist scharf — Badeschuhe empfohlen, Schnittwunden möglich. → Schnittwunde auf Lanzarote
Dörfer & Städte: drei unterschätzte Orte
12. Teguise — Die historische Hauptstadt der Insel, weiß getünchte Gassen, Kirche aus dem 15. Jahrhundert, Kloster, Burg. Sonntags Inselmarkt 9–14 Uhr — größter Markt Lanzarotes, von Einheimischen und Touristen gleichermaßen besucht. Eintritt frei.
13. Haría — “Das Tal der tausend Palmen” im Norden: üppig begrünt im Vergleich zum Rest der Insel, ruhiges Dorf, samstags kleiner Kunstmarkt. Geheimtipp für alle, die die Vulkanlandschaft für einen Nachmittag gegen Grün tauschen wollen.
14. Arrecife — Die Hauptstadt wird oft übersprungen. Dabei lohnt sich der Charco de San Ginés — eine Lagune mitten in der Stadt, abends von Cafés gesäumt — sowie das Castillo de San Gabriel auf einer kleinen Insel vor dem Hafen. Kein Eintritt für den Charco.
La Geria: Weinanbau im Vulkankrater
15. La Geria — Die einzigartigste Kulturlandschaft Lanzarotes: Reben wachsen in halbkreisförmigen Lavamauern (Zocos), geschützt vor dem Passatwind, in schwarzer Vulkanasche die Feuchtigkeit speichert. Bodega Rubicón und Bodega El Grifo (älteste Bodega der Kanaren) bieten Weinproben direkt vor Ort. Kein Eintritt für die Fahrt durch das Tal, Weinkauf optional. Mehr unter Wein auf Lanzarote.
Gesundheitstipp: La Geria liegt offen in der Sonne. Weinproben + Hitze + kein Schatten = Dehydrierung unterschätzt. Zwischen den Kostproben Wasser trinken; Fahrtüchtigkeit beachten.
Mietwagen: alle 15 Orte auf eigene Faust
Timanfaya, Papagayo, Mirador del Río und La Geria sind mit öffentlichem Bus nicht erreichbar — ein Mietwagen ist für alle 15 Orte die einzige flexible Option. Tagesroute Süd: Timanfaya → El Golfo → Los Hervideros → La Geria (ca. 120 km, ganzer Tag). Tagesroute Nord: Jameos del Agua → Cueva de los Verdes → Mirador del Río → Haría (ca. 100 km, ganzer Tag).
Ohne Mietwagen: Timanfaya kann über organisierte Tagestouren ab Puerto del Carmen oder Playa Blanca besucht werden (Bustransfer + Eintritt inklusive). Arrecife ist per Linienbus von allen größeren Resorts erreichbar. Für Jameos, Cueva und Mirador del Río: Kombinierte Nordtouren werden von mehreren Anbietern angeboten.
Häufige Fragen
Gibt es Kombi-Tickets für mehrere Sehenswürdigkeiten?
Ja. Das CACT-Kombi-Ticket deckt alle fünf Manrique-Standorte ab: Jameos del Agua, Cueva de los Verdes, Mirador del Río, Jardín de Cactus und Fundación César Manrique. Es ist an den Kassen der einzelnen Standorte erhältlich und günstiger als fünf Einzeltickets.
Welche Sehenswürdigkeiten sind kostenlos?
El Golfo / Charco de los Clicos, Los Hervideros, Haría, Teguise (Altstadt), Arrecife Charco de San Ginés und La Geria (Außenbereich ohne Weinkauf) sind kostenfrei. Timanfaya, beide Höhlen, Mirador del Río, Jardín de Cactus und FCM sind kostenpflichtig.
Wie komme ich ohne Mietwagen zu den Sehenswürdigkeiten?
Timanfaya ist per organisierter Tagesausflug (Bustransfer inklusive) von den meisten Resorts buchbar — das ist die einzige Alternative zum Mietwagen. Jameos, Cueva und Mirador del Río werden von Kombi-Nordtouren angeboten. Arrecife ist per Linienbus erreichbar. Papagayo, Famara und La Geria sind ohne eigenes Fahrzeug oder Taxi schwer zu erreichen.
Wie viele Tage braucht man für alle 15 Orte?
Mindestens 4–5 Tage mit Mietwagen, verteilt auf Südtour (Timanfaya + El Golfo + Los Hervideros + La Geria), Nordtour (Jameos + Cueva + Mirador + Haría) und separate Strandtage. Wer nur die wichtigsten sechs Orte sehen will: 2 lange Tage sind realistisch.
Was ist der Unterschied zwischen Cueva de los Verdes und Jameos del Agua?
Cueva de los Verdes ist die naturbelassene Lavahöhle mit Lichtkunstinstallation (geführte Tour, ca. 50 Min.). Jameos del Agua ist das Manrique-Gesamtkunstwerk: Höhlensee mit blinden Albino-Krebsen, Konzertarena, Garten, Restaurant. Beide sind Teil desselben unterirdischen Lavaschlauchs, aber unterschiedliche Erlebnisse und separate Eintrittspreise.
Sind die Sehenswürdigkeiten für ältere oder gehbehinderte Personen geeignet?
Timanfaya (Busrundfahrt), El Golfo (kurzer Weg), La Geria (Bodega-Besuch) und Arrecife sind gut zugänglich. Cueva de los Verdes, Mirador del Río und Los Hervideros haben Stufen und steile Wege — eingeschränkte Zugänglichkeit. Arrieta-Naturpiscinen: Lavastein-Einstieg ohne Rampe.
Geheimtipps abseits der Touristenpfade?
Haría (samstags Kunstmarkt, kaum internationale Touristen), Los Hervideros (viele fahren direkt nach El Golfo, ohne die Höhlenküste zu machen), und der Charco de San Ginés in Arrecife abends — einer der schönsten Abende auf der Insel, ohne Eintritt.
Arzt-Verzeichnis für Lanzarote
Verwandte Artikel:
Timanfaya Nationalpark – Besuch & Tipps · Jameos del Agua – das Manrique-Meisterwerk · César Manrique auf Lanzarote · Mietwagen auf Lanzarote
