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Küste von Playa Blanca auf Lanzarote – vor dem Strand liegt das Museo Atlántico auf dem Meeresgrund

Museo Atlántico Lanzarote – das Unterwassermuseum vor Playa Blanca

Das Museo Atlántico auf Lanzarote: 300 Skulpturen von Jason deCaires Taylor auf dem Meeresgrund. Geschichte, Installationen, Tauchinfos und Tickets.

Das Museo Atlántico – ein Museum, das kein Dach hat und nur unter Wasser existiert

Vor der Südküste Lanzarotes, in 12 bis 15 Metern Tiefe im Atlantischen Ozean, liegt eines der ungewöhnlichsten Museen der Welt: das Museo Atlántico. Mehr als 300 lebensgroße Betonskulpturen sind auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern Meeresgrund arrangiert — stumme Figuren, die langsam von Korallen überwachsen werden, die sich in Lebensraum für Fische, Tintenfische und Muränen verwandeln.

Es ist das einzige Unterwassermuseum Europas und das erste seiner Art im Atlantischen Ozean. Wer es besuchen will, braucht entweder einen Tauchschein oder eine Schnorchel-Ausrüstung. Kein Eingang, keine Treppe, kein Audioguide — nur das Meer und das, was der Künstler Jason deCaires Taylor dort hineingestellt hat.

Jason deCaires Taylor – der Bildhauer, der den Meeresboden als Leinwand entdeckt hat

Wer ist Jason deCaires Taylor?

Jason deCaires Taylor ist ein britisch-malaysischer Bildhauer, geboren 1974, der als Erfinder und Pionier des Unterwasser-Skulpturenparks gilt. Er hat weltweit mehrere solcher Installationen geschaffen — die erste 2006 in Grenada (Karibik), wo der Sculpture Park im Molinère Bay bis heute einer der meistbesuchten Tauchplätze der Karibik ist. Weitere Projekte entstanden in Cancún (MUSA, Mexiko), in London (Thames-Installation) und auf Lanzarote.

Taylor ist ausgebildeter Taucher und Bildhauer — eine ungewöhnliche Kombination, die sein Werk unmittelbar prägt. Er wählt seine Standorte nicht nach künstlerischer Wirkung, sondern nach ökologischem Nutzen: Jede seiner Installationen soll gleichzeitig Kunstwerk und künstliches Riff sein, das bedrohte oder überfischte Meeresgebiete entlastet.

Die Idee hinter dem Museo Atlántico

Das Museo Atlántico entstand auf Initiative des Cabildo de Lanzarote (die Inselregierung) und der CACT (Centros de Arte, Cultura y Turismo de Lanzarote) — derselben Institution, die auch die Manrique-Stätten der Insel verwaltet. Die Verbindung zu César Manriques Philosophie — Kunst im Einklang mit der Natur, kein Eingriff ohne Respekt für die Umgebung — ist gewollt und ausdrücklich benannt.

Die Genehmigungen dauerten Jahre. Das Spanische Umweltministerium, die kanarische Regionalregierung und mehrere Meeresschutzbehörden mussten grünes Licht geben, bevor die ersten Skulpturen 2016 in die Tiefe gebracht wurden. Die Installation der über 300 Figuren zog sich bis 2018 hin — eine logistische Herausforderung, bei der jede einzelne Skulptur per Boot ans Ziel gebracht und von Tauchern positioniert wurde.

Die Skulpturen und Installationen – was auf dem Meeresboden steht

Die Gesichter von Lanzarote

Eines der berührendsten Details des Museo Atlántico: Viele der Figuren tragen echte Gesichter von Einwohnern der Insel. Taylor bat Bewohner aus Playa Blanca und Umgebung, Modell zu sitzen — Rentner, Fischer, Familien, Kinder. Ihre Gesichtszüge wurden für die Betonabdrücke verwendet. Die Skulpturen sind also keine anonymen Kunstfiguren, sondern Porträts einer Gemeinschaft, die in ewiger Stille auf dem Meeresgrund bleibt.

Für Taucher, die das wissen, verändert sich der Charakter des Tauchgangs: Man schwimmt nicht durch eine abstrakte Kunstinstallation, sondern durch eine Art Familienalbum in Beton — Menschen aus dem Ort, für immer im Atlantik.

Die wichtigsten Installationen im Überblick

Das Museo Atlántico ist in mehrere thematische Gruppen gegliedert, die auf dem Meeresgrund verteilt sind:

“The Raft of Lampedusa” (“Das Floß von Lampedusa”) — die politisch eindeutigste Installation: 35 Figuren auf einem Floß, ohne Ruder, ohne Rettungsring. Eine direkte Referenz auf die Flüchtlinge, die versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Die Skulptur liegt in den tiefsten Bereichen der Installation und ist für Taucher die eindrucksvollste Gruppe.

“The Portal” — ein kreisförmiger Rahmen aus Figuren, die sich aneinanderlehnen, als würden sie gemeinsam ein Tor halten. In der Mitte: leerer Raum, Meeresblau. Eine Einladung zum Hindurchschwimmen.

“Crossing the Rubicon” — eine Prozession von Figuren, die in einer Reihe marschieren. Unterschiedliche Alter, Körper, Haltungen. Die Reihe zieht sich über mehrere Meter des Meeresbodens.

“The Rubicon” — eine Wand aus eng stehenden Figuren, die an einen Grenzübergang erinnert. Einige wenden sich ab, andere schauen direkt in die Kamera des Tauchers.

Einzelne Figuren und Kleingruppen — verteilt über das gesamte Areal: ein Mann am Schreibtisch, Kinder im Kreis, eine Frau mit gesenktem Kopf. Jede Figur ist anders positioniert, anders beleuchtet je nach Tageszeit.

Abstände und Orientierung unter Wasser

Das Gesamtareal des Museo Atlántico erstreckt sich über rund 2.500 Quadratmeter und ist in mehrere Cluster aufgeteilt, zwischen denen Taucher navigieren. Die Abstände zwischen den Skulpturengruppen betragen oft 20 bis 50 Meter — genug, um den Weg zu verlieren, wenn kein Guide dabei ist. Für den ersten Besuch ist ein geführter Tauchgang mit einem der autorisierten Anbieter dringend empfohlen.

Die Tiefe variiert je nach Skulpturengruppe: Die flachsten Installationen beginnen bei ca. 7–8 Metern (für Schnorchler von der Oberfläche zu sehen), die tiefsten liegen bei 14–15 Metern. Ein vollständiger Besuch aller Gruppen ist daher für Schnorchler nicht möglich — sie sehen die flacheren Bereiche, aber nicht “The Raft of Lampedusa”.

Das Material der Skulpturen – warum Beton und kein anderes Material

pH-neutraler Meeresschutz-Beton

Taylor verwendet für alle seine Unterwasser-Installationen einen speziellen pH-neutralen Beton, der keine toxischen Substanzen ins Wasser abgibt. Die Oberfläche der Skulpturen ist bewusst rau und porös gestaltet — das fördert die Anhaftung von Korallen, Algen und Meeresorganismen. Innerhalb weniger Jahre nach der Installation sind die Figuren mit Bewuchs überzogen: Korallenbüschel auf den Schultern, Seeanemonen in den Augenhöhlen, Muscheln an den Händen.

Das ist keine Fehlfunktion — das ist das Ziel. Die Skulpturen sollen sich verändern, wachsen, leben. Ein Museum, das sich selbst umgestaltet.

Wie lange halten die Skulpturen?

Beton im Salzwasser ist langlebig — deutlich langlebiger als Metall oder Holz. Taylors Skulpturen in Grenada, die 2006 installiert wurden, sind fast zwei Jahrzehnte später noch intakt und inzwischen mit einem dichten Riff-Ökosystem bedeckt. Für das Museo Atlántico wird eine ähnliche Langlebigkeit erwartet. Die Skulpturen werden nicht konserviert — sie entwickeln sich weiter.

Das Museo Atlántico als Ökosystem – Kunst als Naturschutz

Warum künstliche Riffe funktionieren

Natürliche Riffe auf Lanzarote stehen unter erheblichem Druck: Überfischung, Ankerboote, Taucher-Massentourismus und steigende Wassertemperaturen setzen dem Meereslebensraum zu. Das Museo Atlántico lenkt Taucher gezielt in einen definierten Bereich — und entlastet dadurch andere Riffe. Gleichzeitig schafft es neuen Lebensraum: Seit der Installation wurden über 200 verschiedene Meereslebewesen-Arten im Museum dokumentiert.

Zackenbarsche, Engelshaie, Rochen, Muränen, Tintenfische und Schwärme von Makrelen nutzen die Skulpturen als Schutzraum, Jagdgebiet und Brutrevier. Was als Kunstprojekt begann, ist heute ein funktionierendes Meeresnaturschutzgebiet.

Lanzarote als UNESCO-Biosphärenreservat

Lanzarote wurde 1993 als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt — eine der frühesten Anerkennungen überhaupt. Das bedeutet: Eingriffe in die Natur, auch im Meer, werden strengen Umweltverträglichkeitsprüfungen unterzogen. Das Museo Atlántico hat diese Prüfung bestanden und gilt heute als Vorzeigeprojekt dafür, dass Kunst und Naturschutz kein Widerspruch sein müssen.

So besucht man das Museo Atlántico – praktische Informationen

Für Taucher

Ein vollständiger Besuch des Museo Atlántico erfordert einen PADI Open Water-Schein oder gleichwertige Zertifizierung. Die meisten autorisierten Anbieter bieten Zwei-Tauchgang-Trips an — genug Zeit, um alle Skulpturengruppen zu sehen. Empfohlene Anbieter aus Playa Blanca: Barracuda Dive Centre und Dive Lanzarote Playa Blanca bieten spezialisierte Museo-Trips an, oft in kleinen Gruppen von 4–8 Tauchern.

Kosten: Ein Zwei-Tauchgang-Trip zum Museo Atlántico kostet in der Regel zwischen 60 und 90 Euro inklusive Tauchausrüstung und Guide. Preise variieren je nach Anbieter und Saison.

Dauer: Hin- und Rückfahrt per Boot von Playa Blanca dauert ca. 10–15 Minuten. Ein Tauchgang im Museum selbst ca. 40–50 Minuten.

Für Schnorchler

Teile der Installation sind in 7–9 Metern Tiefe zugänglich und von der Oberfläche aus sichtbar. Einige Anbieter in Playa Blanca bieten Schnorchel-Trips zum Museo Atlántico an — Bootstransfer, Schnorchel-Equipment und Guide inbegriffen. Wer gut schnorcheln kann und Tauchen möchte, kann vor Ort einen Discover-Scuba-Kurs buchen, um mit einem Instructor in die tieferen Bereiche zu gelangen.

Wichtig: Das Museo Atlántico liegt in einem offiziell ausgewiesenen Schutzgebiet. Eigenständiges Ankern oder Tauchen ohne autorisierten Guide ist nicht erlaubt. Die Skulpturen dürfen nicht berührt werden.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Das Wasser vor Playa Blanca ist das ganze Jahr über zugänglich. Oktober bis April ist die Hauptsaison, wenn die Sicht oft am besten ist (weniger Plankton, klareres Wasser). Mai bis September bietet wärmeres Wasser (bis 24 °C) und ruhigere Meeresbedingungen. Bei starkem Südwestwind können Boote nicht fahren — immer vorher beim Anbieter bestätigen.

Wo gibt es weitere Unterwassermuseen auf der Welt?

Das Museo Atlántico ist einzigartig in Europa — aber Jason deCaires Taylor ist nicht der Einzige, der Skulpturen auf dem Meeresgrund installiert hat:

MUSA (Cancún, Mexiko) — Taylors erstes großes Projekt, über 500 Skulpturen vor der Küste von Cancún und Isla Mujeres. Der Klassiker.

Molinère Bay Sculpture Park (Grenada, Karibik) — Taylors allererste Installation, seit 2006. Eines der meistfotografierten Tauchziele der Karibik. Hier steht auch die berühmte Figur des “ruhenden Mannes im Stuhl”, die als eine der bekanntesten Unterwasserstatuen der Welt gilt.

Silfra (Island) — kein Skulpturenpark, aber eines der ungewöhnlichsten Taucherlebnisse: tauchen zwischen den Kontinentalplatten.

Ailuk Atoll (Marshallinseln) und weitere Pazifik-Projekte von Taylor und anderen Künstlern. Der größte Unterwasserskulpturenpark der Welt befindet sich im Pazifik — das COLOSSEO-Projekt vor der Küste der Bahamas mit hunderten großformatiger Skulpturen.

Häufige Fragen zum Museo Atlántico

Warum ist das Museo Atlántico ungewöhnlich?

Das Museo Atlántico vereint drei Dinge, die normalerweise getrennt existieren: Kunst, Naturschutz und Tourismus. Es ist kein Museum im klassischen Sinne — kein Gebäude, keine Klimaanlage, keine Vitrinen. Die Exponate sind im Meer, verändern sich täglich durch Meeresströmungen und biologisches Wachstum, und sind nur für Menschen zugänglich, die schwimmen oder tauchen können.

Wie tief liegt das Unterwassermuseum auf Lanzarote?

Das Museo Atlántico liegt in 7 bis 15 Metern Tiefe — je nach Skulpturengruppe. Die flachsten Bereiche sind für Schnorchler von der Oberfläche zu sehen. Die tiefsten Installationen (darunter “The Raft of Lampedusa”) liegen bei 14–15 Metern und sind nur per Tauchen erreichbar.

Welches ist das einzige Unterwassermuseum in Europa?

Das Museo Atlántico auf Lanzarote. Es ist gleichzeitig das erste Unterwassermuseum im Atlantischen Ozean. Der nächste vergleichbare Skulpturenpark liegt in der Karibik (MUSA, Grenada, Cancún).

Wer erschafft Unterwasser-Skulpturenparks?

Der bekannteste Künstler in diesem Bereich ist Jason deCaires Taylor — er hat Parks in Grenada, Mexiko und Lanzarote gebaut. Andere Projekte stammen von lokalen Tauchorganisationen und Naturschutzbehörden, die ausgediente Schiffe als künstliche Riffe versenken. Das ist die häufigste Form des “Unterwassermuseums” weltweit — Schiffswracks, die als Riff-Ersatz und Tauchspot dienen.

Was ist die berühmteste Unterwasserstatue der Welt?

Die bekannteste Einzelfigur ist wahrscheinlich “The Silent Evolution” aus Taylors MUSA-Projekt in Cancún — eine Gruppe von 450 identischen Figuren, die dicht gedrängt auf dem Meeresboden stehen, als würden sie auf etwas warten. Das Bild dieser Installation ging viral und machte Taylors Arbeit international bekannt.

Was sollte man beim Besuch des Museo Atlántico vermeiden?

Skulpturen niemals berühren — selbst harmloser Kontakt beschädigt Korallen und Algenbelag. Keine Handschuhe beim Tauchen (offiziell verboten in spanischen Meeresschutzgebieten — verhindert das versehentliche Anfassen von Riffen). Nicht mit Fins in den Sandboden schlagen — aufgewirbelter Sand setzt sich auf Skulpturen und Korallen. Und: immer mit einem autorisierten Guide — Eigenorganisation ist in diesem Schutzgebiet nicht erlaubt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

Das Museo Atlántico vor Playa Blanca ist das einzige Unterwassermuseum Europas — 300+ Skulpturen von Jason deCaires Taylor in 7 bis 15 Metern Tiefe, auf 2.500 Quadratmetern Meeresgrund. Viele Figuren tragen die Gesichter echter Lanzarote-Bewohner. Das Museum ist gleichzeitig Kunstprojekt und künstliches Riff: Heute leben dort über 200 dokumentierte Meereslebewesen-Arten.

Zugänglich für zertifizierte Taucher (vollständiger Besuch) und Schnorchler (flache Bereiche). Autorisierte Anbieter in Playa Blanca organisieren Trips, eigenständiges Tauchen ist nicht erlaubt. Beste Sicht: Oktober bis April. Wärmste Temperaturen: Juli bis Oktober.

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