Wer auf Lanzarote nur Pizza und Pasta isst, verpasst das Beste. Die kanarische Küche ist bodenständig, ehrlich und überraschend vielfältig – geprägt vom Atlantik, von der Vulkanerde und von einer Geschichte, die Einflüsse aus Spanien, Afrika und Lateinamerika vereint. Dieser Artikel stellt die zehn Gerichte vor, die kein Lanzarote-Besuch auslassen sollte. Nicht als Touristencheckliste, sondern als echte Einladung: Iss so, wie die Einheimischen essen.

Lokale Spezialitäten Lanzarote: Was muss man gegessen haben?
1. Papas Arrugadas mit Mojo
Kein Gericht ist kanarischer als Papas arrugadas – kleine Kartoffeln, in stark gesalzenem Wasser so lange gegart, bis das Salz an der Schale kristallisiert und die Kartoffel runzlig wird. Der Name bedeutet wörtlich “zerknitterte Kartoffeln”.
Die Begleitung ist entscheidend: Mojo rojo (geröstete rote Paprika, Knoblauch, Kreuzkümmel, Essig und Olivenöl) oder Mojo verde (Koriander oder Petersilie, Knoblauch, Olivenöl). Ein guter Mojo ist hausgemacht – die industriellen Varianten aus dem Supermarkt sind ein schlechter Ersatz. Frage im Restaurant ruhig nach: “¿El mojo es casero?”
Papas arrugadas sind Beilage, Vorspeise und Snack zugleich. Auf Lanzarote isst man sie zu fast allem – und das völlig zu Recht.
2. Gofio
Gofio ist das älteste Nahrungsmittel der Kanaren – und eines der unterschätztesten. Es handelt sich um geröstetes Getreide (Mais, Weizen oder eine Mischung), das zu Mehl gemahlen wird. Die Guanchen, die Ureinwohner der Kanaren, lebten über Jahrhunderte davon.
Heute taucht Gofio in vielen Formen auf:
- Als Gofio escaldado – eine herzhafte Suppe mit Fischbrühe, Zwiebeln und dem Mehl als Einlage
- Als cremige Polenta-Alternative zu Fleisch- und Fischgerichten
- Als Dessert mit Honig, Mandeln und Banane – süß, nussig und unerwartet lecker
Wer Gofio noch nie probiert hat, sollte es im Restaurant als Vorspeise bestellen. Es ist kanarische Urküche in ihrer reinsten Form.
3. Sancocho Canario
Sancocho ist das Sonntagsgericht schlechthin auf Lanzarote. Gesalzener, getrockneter Kabeljau (Cherne oder Corvina) wird gewässert, dann mit Süßkartoffeln und normalen Kartoffeln gedünstet und mit Mojo und Gofio serviert.
Das Gericht braucht Vorbereitung – der Fisch muss mindestens 24 Stunden gewässert werden – und ist deshalb nicht überall auf der Karte. In traditionellen kanarischen Restaurants findet man es meist samstags oder sonntags als Tagesgericht. Wer es probiert, versteht sofort, warum es seit Generationen auf den Tisch kommt: sättigend, aromatisch und tief verwurzelt in der Inselkultur.
4. Queso Majorero und Queso Frito
Queso Majorero kommt von der Nachbarinsel Fuerteventura und ist der bekannteste Käse der Kanarischen Inseln. Er wird aus Ziegenmilch hergestellt, hat eine leicht pikante Note und ist je nach Reifegrad von frisch-mild bis trocken-würzig. Der Käse trägt eine europäische Ursprungsbezeichnung (D.O.P.) und ist auf Lanzarote in jedem guten Restaurant und auf jedem Markt erhältlich.
Die kanarische Zubereitungsvariante, die man kennen muss: Queso frito – in der Pfanne gebratener Käse, außen knusprig, innen cremig, serviert mit Mojo rojo oder Honig. Das klingt einfach, ist aber eine der befriedigendsten Tapas der Insel. Am besten mit einem Glas Malvasía aus La Geria.
5. Almogrote
Almogrote ist eine würzige Käsepaste, die ursprünglich von der Insel La Gomera stammt, aber auf ganz Lanzarote verbreitet ist. Zutaten: gereifter Hartkäse, Tomaten, Knoblauch, Paprika, Olivenöl – alles fein püriert zu einer intensiven, leicht scharfen Paste.
Serviert wird Almogrote als Brotaufstrich, als Dip zu Papas arrugadas oder als Begleitung zu Fleischgerichten. In vielen Restaurants steht es automatisch mit dem Brot auf dem Tisch. Wer es einmal probiert hat, sucht es zuhause vergeblich im Supermarkt – und kauft ein Glas auf dem Mercado de Teguise mit.
6. Pescado a la Sal
Pescado a la sal – Fisch in der Salzkruste – ist eine der edelsten und einfachsten Zubereitungsarten der kanarischen Küche. Ein ganzer frischer Fisch (meist Dorade oder Wolfsbarsch) wird vollständig in grobem Meersalz eingebettet und im Ofen gegart.
Das Salz bildet eine harte Kruste, die den Fisch von außen versiegelt. Das Ergebnis: zartes, saftiges Fleisch mit perfektem Eigengeschmack – ohne Fett, ohne Sauce. Serviert wird der Fisch am Tisch aufgebrochen, die Salzkruste abgeklopft, dazu Papas arrugadas und Mojo verde.
Besonders gut gelingt Pescado a la sal mit dem Flor de sal aus den Salinas de Janubio – dem Meersalz der bekanntesten Saline der Kanarischen Inseln, die malerisch an der Westküste Lanzarotes liegt.
7. Cazuela de Pescado
Cazuela de pescado ist der kanarische Fischeintopf – deftig, aromatisch und perfekt für kühlere Tage oder nach einem langen Wandertag. In einem Tontopf werden Fisch, Meeresfrüchte, Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Safran langsam geschmort.
Jede Küche hat ihr eigenes Rezept, jeder Koch schwört auf seine Version. Was alle gemeinsam haben: Es werden nur frische lokale Zutaten verwendet, der Fisch kommt direkt vom Atlantik. In Fischerdörfern wie Orzola, El Golfo oder Puerto del Carmen ist die Cazuela oft das beste Gericht auf der Karte – auch wenn sie nicht prominent beworben wird.
8. Conejo al Salmorejo
Wer denkt, Lanzarote sei eine reine Fischküche, täuscht sich. Conejo al salmorejo – Kaninchen in Salmorejo-Marinade – ist eines der beliebtesten Fleischgerichte der Inseln. Das Kaninchen wird in einer Mischung aus Knoblauch, Paprika, Oregano, Essig und Weißwein mariniert und dann langsam geschmort oder gebraten.
Das Gericht ist nicht zu verwechseln mit dem andalusischen Salmorejo (einer Tomatensuppe). Das kanarische Salmorejo ist eine Marinade – dunkel, würzig, tiefgründig. Serviert wird das Kaninchen mit Papas arrugadas und dem Bratensaft als Sauce. In traditionellen Restaurants auf Lanzarote ist es fast immer auf der Karte – und fast immer empfehlenswert.
9. Cabrito Frito
Cabrito frito – gebratenes Zicklein – ist eine der urtümlichsten Spezialitäten der Kanaren und auf Lanzarote besonders in ländlichen Restaurants und bei Festen verbreitet. Das junge Ziegenfleisch wird mit Knoblauch, Thymian, Oregano und Lorbeer mariniert und dann in Olivenöl knusprig gebraten.
Das Fleisch ist zart, aromatisch und von einer Qualität, die man in Deutschland kaum kennt – denn auf Lanzarote werden Ziegen traditionell freilaufend gehalten, auf kargen Vulkanweiden mit Wildkräutern. Das schmeckt man. Cabrito frito gibt es nicht auf jeder Karte, aber wer es sieht, sollte zugreifen.
Besonders zu empfehlen in den Restaurants von Haría und Femés – den ländlichsten Dörfern der Insel.
10. Bienmesabe
Zum Abschluss das Dessert: Bienmesabe – der Name bedeutet auf Spanisch “es schmeckt mir gut”, was alles sagt. Diese cremige Süßspeise aus gemahlenen Mandeln, Zucker, Eiern, Zitronenschale und Honig ist auf den Kanaren weit verbreitet, hat aber auf Lanzarote eine besondere Tradition.
Bienmesabe wird als Dessert löffelweise serviert, oft mit einer Kugel Eis oder einem Stück Kuchen. Es ist süß, nussig und unwiderstehlich – und absolut nichts für Menschen, die Desserts nur halbherzig mögen.
In einigen Restaurants wird Bienmesabe auch als Sauce zu gegrillten Früchten oder zu frittiertem Käse (Queso frito con bienmesabe) serviert – eine kanarische Kombination, die man einmal erlebt haben sollte.
Fazit: Kulinarische Reise durch Lanzarote
Die Küche Lanzarotes ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Jahrhunderten an Anpassung: an einen vulkanischen Boden, an das Meer, an Ressourcenknappheit und an eine kreative Bevölkerung, die aus wenig viel gemacht hat. Papas arrugadas brauchen nur Wasser und Salz. Gofio braucht nur Getreide und Feuer. Bienmesabe braucht nur Mandeln, Honig und Geduld.
Was alle zehn Gerichte gemeinsam haben: Sie schmecken auf Lanzarote besser als irgendwo sonst. Weil der Fisch frischer ist, die Kartoffeln mineralreicher, das Olivenöl echter und der Mojo hausgemacht.
Dazu ein Glas Malvasía aus La Geria – der charakteristische Weißwein der Insel, angebaut in schwarzer Vulkanasche, fruchtig und frisch – und das Bild ist vollständig.
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